Fachbereich Deutsch

  • Die Kolleg:innen des Fachbereichs Deutsch sehen sich in besonderer Verantwortung, die Schüler*innen in ihrer Sprachbildung individuell zu fördern, so dass sie ihre eigenen sprachlichen Grenzen Stück für Stück überwinden und sich damit den Zugang zu Wissen und Welt ermöglichen können.

    Für den Fachunterricht bedeutet dies vor allem die Förderung der Fähigkeit, verschiedenartige Texte zu verstehen, aber auch selbst (kreativ) zu schreiben sowie das Wissen über die deutsche Sprache zu erweitern und in verschiedenen Gesprächs- und Sprechsituationen anwenden (bestehen) zu können (Bewerbungsgespräch, Präsentation). Die Lust auf sowie die Freude am Lesen zu wecken, z.B. durch gemeinsame Jugendbuch-Lektüren oder das offene Leseangebot in unserer Bibliothek, ist ein erklärtes Ziel des Fachbereichs vor allem vor dem Hintergrund, dass regelmäßiges (Genuss-)Lesen auch für die Entwicklung der Schreibkompetenz (sicherer Rechtschreibung) eine wichtige Grundlage darstellt. In gemeinsamen Exkursionen, zum Beispiel ins Theater, wird die Kraft der Sprache auch außerhalb der Schule erlebbar gemacht.

    Vorbereitung auf den Schulabschluss: BBR/ eBBR/ MSA

    Mehr denn je ist die berufliche Zukunft der Schüler*innen in der heutigen Zeit von ihrer schulischen Qualifikation abhängig. Durch den bestmöglichen Schulabschluss erschließen sich die Schüler:innen den Zugang zur Berufswelt. Im Fach Deutsch wird wie in den anderen Hauptfächern auch für jeden Schulabschluss (Berufsbildungsreife/ BBR, erweiterte Berufsbildungs-reife/ eBBR und den Mittleren Schulabschluss/ MSA) eine zentrale Prüfung des Landes Berlin durchgeführt. Um diesen Anforderungen kompetent und selbstbewusst begegnen zu können, werden die Schüler*innen im Deutschunterricht gezielt auf die Kompetenzbereiche, Aufgabenformate und Inhalte der schriftlichen Abschlussprüfungen vorbereitet. In besonderer Weise wird im Fach Deutsch zudem die Planung, Vorbereitung und Durchführung von Präsentationen trainiert, um auf die Präsentationsprüfung am Ende der Jahrgangsstufe 10 vorzubereiten. So finden zu Beginn jedes Schuljahres Methodentage zum Kompetenzschwerpunkt „Präsentieren“ statt. Hier werden die Schüler*innen spiralcurricular methodisch (Themenfindung/ Recherche/ Problemfrage/ Gliederung), medial (Plakat/ Powerpoint/ Grafiken) und sprachlich (mit Hilfe eines Formulierungsfächers) an das Präsentieren herangeführt und gezielt geschult.

    Ferner werden leistungsstarke Schüler:innen, die eine Allgemeine Hochschulreife anstreben, insbesondere in Jahrgang 10 behutsam mit den Anforderungen der gymnasialen Oberstufe vertraut gemacht. Aber bereits ab Jahrgang 7 bietet der Fachbereich Deutsch im Rahmen der Lernwerkstatt eine individuelle Förderung aller Schüler:innen an.

    Das Leßmann-Konzept für das Schreiben und Rechtschreiben

    Seit dem Schuljahr 2016/2017 haben wir im Fach Deutsch das Leßmann-Konzept für „Individuelles Schreiben und Rechtschreiben“ verbindlich implementiert. Dazu haben die Lehrkräfte mehrtägige Fortbildungen absolviert und der Fachbereich hat umfangreiches Material angeschafft. In einer Unterrichtsstunde in der Woche arbeiten die Schüler*innen verbindlich nach diesem Konzept.

    Nach dem Leßmann-Konzept wird eine Unterrichtsstunde im Fach Deutsch in eine sogenannte Schreibzeit umgewidmet. Diese bietet basierend auf individualisiertem Lernen eine auf die persönlichen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler zugeschnittene Förderung der Schreibkompetenz. So beginnt die Einführung der Schreibzeit mit der Anschaffung eines Schreibbuches zusammen mit einer persönlichen Einladung zumSchreiben. In dieses Schreibbuch dürfen die Schülerinnen und Schüler schreiben, was ihnen wichtig ist. So setzen sich die Schüler*innen, je nach ihren individuellen Voraussetzungen, selbstbestimmt mit grundlegenden Fragen des Lebens auseinander. Sie präsentieren ihre Texte in der sogenannten Schreibkonferenz und erfahren ihre Mitschüler*innen als wichtigen Ratgeber für ihren Schreibprozess und damit für ihr eigenes Lernen. Auf der Basis dieser Texte werden dann ebenfalls Schreib- und Rechtschreibkompetenzen diagnostiziert, gefördert und weiterentwickelt, denn die eigenen Texte eines Schülers geben am besten Auskunft über den jeweiligen individuellen Entwicklungsstand. Die sogenannte „Rechtschreibbox“ hält passende Aufgaben für alle Entwicklungsstufen bereit. Durch sie werden Basisfähigkeiten, orthografische Muster, Strategien und Regeln ausgebildet. Das Leßmann-Konzept eignet sich auch besonders gut für die Förderung im Fall von Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten (LRS).

    Durch gemeinsame Sprachreflexion im sogenannten Rechtschreibgespräch und gemeinsames Feedback in der Schreibkonferenz werden zudem Kompetenzen im mündlichen Sprachgebrauch und der Sprachverwendung konstant trainiert und verbessert.

    Das Leßmann-Konzept entspricht demnach den Anforderungen einer inklusiven Deutschdidaktik und hat sich bislang im Unterricht sehr gut bewährt. Vor allem die Schüler*innen haben das Konzept sofort begeistert angenommen und sind mit Spaß dabei.

    Wenn Sie nähere Informationen wünschen, besuchen Sie die Website der Autorin.

    Konzeptionelles Gerüst dieses Modells des individualisierten (Deutsch-)Unterrichts ist die sogenannte „Schreibzeit“, in der die Schüler*innen ausgehend von ihren eigenen Texten im Bereich der Orthographie, der Interpunktion, der Syntax und ihrer literarischen Kompetenz gefördert werden. So können Textarten, Textsorten, Darstellungsformen und Stilmittel anhand von Schülertexten identifiziert und im Hinblick auf Struktur und Wirkung analysiert werden.

    Die Grundlage bildet dabei das Schreibbuch (1. Element), in dem die Schüler*innen dazu eingeladen werden, zu schreiben. Schreiben umfasst dabei alle denkbaren Textformen und –arten (selbst Listen und Zeichnungen sind als Texte erlaubt). Weder formal noch inhaltlich werden den Schüler*innen dabei Vorgaben gemacht. Ziel ist es, die Freude am Schreiben zu (re-)aktivieren. Während in der Grundschule das kreative Schreiben ein fester Bestandteil des Deutschunterrichts ist, tritt dieser Aspekt in der Oberschule zunehmend in den Hintergrund. Dabei ist gerade die Freude am eigenen Text eine ideale Basis für die individuelle Förderung der schriftsprachlichen Fähigkeiten.

    Anhand der Texte aus den Schreibbüchern werden von den Schüler*innen und durch die Lehrkraft individuelle Förderschwerpunkte analysiert. Darauf aufbauend erhält jede Schülerin und jeder Schüler einen individuellen Trainingsplan mit passenden Übungen aus der sogenannten „Rechtschreibbox“ (2. Element). Die Rechtschreibbox ist eine Sammlung von Orthographie-, Syntax- und Interpunktionsübungen im Karteikartenformat, mit der die Schüler*innen an ihren individuellen Fehlerschwerpunkten selbständig arbeiten können. Für diese Rechtschreibübungen haben sie ein Schreibheft.

    Neben dem Schreibbuch und der Rechtschreibbox ist die „Wörterklinik“ (3. Element) ein weiteres Element des Leßmann-Konzepts. Hier werden (ähnlich der Vokabel-Karteien aus dem Fremdsprachenunterricht) individuelle Fehlerwörter „behandelt“. Diese Fehlerwörter werden aus den Texten der Schüler*innen (aus dem Schreibbuch oder beispielsweise auch aus Klassenarbeiten) entnommen. Dabei ist die Wörterklinik so aufgebaut, dass die Schüler*innen in einem ersten Schritt das Fehlerwort auf einer Karteikarte notieren. Dort markieren sie in einem zweiten Schritt schwierige Stellen mit rot. Das könnte z.B. Groß- und Kleinschreibung sein oder die Auslautverhärtung. In einem dritten Schritt werden nun Regeln und Hilfestellungen in grün notiert. Hier könnte u.a. auf die Artikelprobe oder das Verlängern von Worten sowie den Wortstamm zurückgegriffen werden. Nach dieser Aufnahme in die Klinik werden die Wörter in jeder Schreibzeit geübt. Dies kann in Form eines Selbst- oder Partnerdiktates erfolgen. Wird das Wort richtig geschrieben, kann es in das nächste Fach des Karteikastens gesteckt werden. Wird es falsch geschrieben, muss es wieder in das erste Fach. Jedes Wort, das die Wörterklinik (fünf Fächer) vollständig durchlaufen hat, wird in einem digitalen ABC-Heft (4. Element), einem Textdokument am Computer, notiert. So entsteht sukzessive ein individuelles Wörterbuch, das die Schüler*innen am Ende der zehnten Klasse zum Abschied ausgedruckt bekommen sollen.

    Das fünfte Element der Schreibzeit ist die sogenannte „Textkorrekturkarte“ (TKK). Mit Hilfe der TKK können die Schüler*innen ihre Texte eigenständig überprüfen und ggf. verbessern oder auch Unsicherheiten markieren bzw. Fehlerschwerpunkte erkennen. Dabei werden sie dazu angeleitet, ihre Texte vorwärts (mit dem Schwerpunkt des Textverständnisses) und rückwärts (mit dem Schwerpunkt der Wortschreibung) zu überarbeiten. Dadurch können sie Unsicherheiten auf Satz- und Wortebene markieren und im Dialog mit der Lehrkraft oder bei wachsender Routine mit Mitschüler*innen verbessern.
    Ein weiteres Element ist das Rechtschreibgespräch (6. Element), in dem die Schüler*innen in der gemeinsamen Auseinandersetzung über beispielhafte Wörter Fehlerschwerpunkte und Rechtschreibschwierigkeiten reflektieren und Lösungsstrategien suchen, die sich ggf. auf andere Wörter übertragen lassen. So erhalten sie sukzessive ein Rüstzeug für den Umgang mit Rechtschreibtücken.
    Das letzte Element der Schreibzeit ist die Schreibkonferenz bzw. Autorenrunde, in der die Schüler*innen mit Hilfe der sogenannten „Texthand“ einen ausgewählten Schülertext wertschätzen, anhand bestimmter Kriterien beurteilen und schließlich verbessern.

    Das Leßmann-Konzept ist im Kern als individualisiertes Lernen angelegt. So sollen die Schüler*innen sich ihren Arbeitsschwerpunkt aus den sieben Elementen des Konzepts (Schreibbuch, Rechtschreibbox, Textkorrekturkarte, Wörterklinik, ABC-Heft, Rechtschreibgespräche, Autorenrunde/ Schreibkonferenz) weitgehend selbst suchen. Die Lehrkraft übernimmt hier lediglich die Aufgabe der Lernberater*in und –begleiter*in.